"Goldmedaille" richtig lesen: Was steht wirklich auf dem Etikett?
Das Wort "Goldmedaille" auf einem Sake-Etikett zieht den Blick sofort auf sich. Doch welcher Wettbewerb hat die Auszeichnung vergeben, in welchem Jahr, und für welche konkrete Flasche? Das Etikett allein verrät es nicht. Denn "Gold" bedeutet nicht bei jedem Wettbewerb dasselbe – Bedeutung und Gewicht der Auszeichnung unterscheiden sich von Veranstaltung zu Veranstaltung. Eine Auszeichnung kann eine nützliche Orientierung bei der Auswahl sein. Sie ist aber weder eine Geschmacksrangliste noch eine Garantie dafür, dass Ihnen der Sake schmeckt. Im Folgenden ordnen wir ein, wie man Auszeichnungen liest und worauf man dabei achten sollte. Die Unterschiede zwischen den Wettbewerben selbst behandelt der Artikel Einführung in Sake-Wettbewerbe.
"Gold" ist nicht gleich "Gold"
Der erste wichtige Punkt: Das Wort Goldmedaille bezeichnet keinen einheitlichen Maßstab. Wer was genau bewertet, ist von Wettbewerb zu Wettbewerb verschieden – und damit auch, was eine Goldmedaille tatsächlich bedeutet.
Nehmen wir den Zenkoku Shinshu Kanpyokai (National New Sake Awards, gemeinsam ausgerichtet vom National Research Institute of Brewing und dem nationalen Sake-Brauerverband) als Beispiel. Sakes, die die Vorrunde bestehen, erhalten die Auszeichnung "nyusho" (prämiert). Unter diesen wird in der Endrunde eine besonders herausragende Auswahl mit "Gold" (kinsho) ausgezeichnet. Wenn "nyusho" also die Zulassung ist, dann ist die Goldmedaille die Spitzengruppe innerhalb dieser Zulassung. Bewertet werden hier sogenannte "shuppinshu" – Sakes, die eigens für diesen Wettbewerb gebraut wurden. Manche dieser Wettbewerbs-Sakes werden zwar auch kommerziell verkauft, oft aber handelt es sich um eine separate Charge, die gar nicht im Handel landet.
SAKE COMPETITION dagegen bewertet ausschließlich im Handel erhältliche Sakes. Die Verkostung erfolgt komplett blind, ohne dass Marke oder Hersteller bekannt sind, und die jeweils zehn besten Sakes jeder Kategorie erhalten "GOLD" (SAKE COMPETITION). Auch die Sake-Kategorie der International Wine Challenge (IWC) bewertet blind und vergibt Gold-, Silber- und Bronzemedaillen; aus den Goldmedaillen-Gewinnern wird anschließend pro Kategorie eine Trophäe vergeben (IWC).
| Wettbewerb | Bewertete Sakes | Stellenwert von "Gold"/"GOLD" |
|---|---|---|
| Zenkoku Shinshu Kanpyokai | Eigens für den Wettbewerb gebraute Sakes | Besonders herausragende Sakes innerhalb der prämierten Auswahl |
| SAKE COMPETITION | Im Handel erhältliche Sakes | Top 10 jeder Kategorie |
| IWC Sake-Kategorie | Im Handel erhältliche Sakes | Goldmedaille in jeder Kategorie |
Ein und dieselbe Bezeichnung "Gold" kann also eine Bewertung von Wettbewerbs-Sake oder von handelsüblichem Sake meinen – und darin liegt ein erheblicher Bedeutungsunterschied.
Drei Punkte, die Sie bei einer Auszeichnung prüfen sollten
Wenn Sie ein Etikett mit einer Auszeichnung sehen, prüfen Sie diese drei Punkte: welche Auszeichnung, welches Verleihungsjahr, welches Produkt. Mit diesen drei Fragen lässt sich der tatsächliche Gehalt der Auszeichnung einordnen.
- Welche Auszeichnung? Achten Sie auf den Namen des Wettbewerbs und die Stufe der Auszeichnung. Auch bei gleicher Bezeichnung "Gold" unterscheiden sich die Maßstäbe je nach Veranstalter.
- Welches Verleihungsjahr? Eine Auszeichnung ist eine Momentaufnahme, die jedes Jahr neu vergeben wird. Je nach Jahr des Wettbewerbs kann sich auch die bewertete Sake-Charge unterscheiden.
- Welches Produkt? Unterscheiden Sie, ob die Auszeichnung der Brauerei als Ganzes gilt oder speziell diesem einen Produkt.
Der dritte Punkt wird besonders leicht missverstanden. Nur weil ein anderes Produkt derselben Brauerei ausgezeichnet wurde, heißt das nicht, dass auch die Flasche in Ihrer Hand die Auszeichnung trägt. Eine Auszeichnung gilt nicht "der ganzen Brauerei", sondern der konkreten Charge, die eingereicht wurde.
Auch ein goldprämierter Sake muss nicht Ihrem Geschmack entsprechen
Eine Auszeichnungshistorie kann ein hilfreicher Anhaltspunkt für die Qualität sein – schließlich beruht sie auf der Bewertung durch eine unabhängige, nach festen Kriterien urteilende Jury. Sie ist jedoch nur ein Maßstab unter mehreren. Sie ist weder eine absolute Geschmacksrangliste noch eine Garantie dafür, dass Ihnen genau dieser Sake schmeckt.
Ein goldprämierter Sake muss Ihrem persönlichen Geschmack nicht entsprechen. Ein blumig-eleganter Ginjo (ginjo, hochveredelter Sake mit fruchtig-blumigem Aroma) mag bei der Verkostung hoch bewertet werden – wer aber einen kräftig-würzigen, essensbegleitenden Sake bevorzugt, findet vielleicht in einer ganz anderen Flasche seinen Favoriten. Betrachten Sie eine Auszeichnung als Ausgangspunkt – die endgültige Wahl sollte sich nach Budget, persönlichem Geschmack und Anlass richten. Wie das konkret geht, haben wir im Einkaufsratgeber zusammengefasst.
Die zwei häufigsten Missverständnisse: "Gold heißt Nummer eins" und "Ausgezeichnet heißt genau diese Flasche"
Gold bedeutet nicht "die Nummer eins", sondern die Bewertung einer Spitzengruppe. Und eine Auszeichnung gilt nicht "der ganzen Brauerei", sondern speziell der eingereichten Charge. Diese beiden Punkte, die wir bereits behandelt haben, sind zugleich die zwei häufigsten Fehlinterpretationen. Umgekehrt gesagt: Wer allein diese zwei Fallstricke im Blick behält, vermeidet die meisten Missverständnisse. Ähnliche Irrtümer greifen wir auch im Missverständnisse-FAQ auf.
Für die Angabe von Auszeichnungen gelten übrigens verbindliche Regeln. Der Fair Competition Code für die Kennzeichnung von Seishu (japanischem Reiswein) und seine Durchführungsbestimmungen schreiben vor, dass bei der Angabe einer Auszeichnung sowohl der Name der vergebenden Institution als auch das Jahr der Verleihung genannt werden müssen. Angezeigt werden dürfen zudem nur Auszeichnungen, die bestimmte Anforderungen erfüllen – etwa dass die vergebende Institution ihr Verfahren offenlegt und den Wettbewerb regelmäßig durchführt. Auszeichnungen ohne nachvollziehbare Grundlage oder selbst verliehene "Preise" dürfen nicht angegeben werden, da eine irreführend geschönte Darstellung als unzulässige Werbung im Sinne des japanischen Gesetzes gegen ungerechtfertigte Werbung und Zugaben gelten kann. Im Umkehrschluss lässt sich bei einer korrekten Auszeichnungsangabe stets die vergebende Institution und das Jahr nachprüfen.
Auszeichnungen selbst nachrecherchieren
Eine einzige Zeile auf dem Etikett verrät manchmal nicht, um welches Verleihungsjahr und welche Auszeichnung genau es sich handelt. Deshalb lohnt sich eine eigene Nachprüfung. Ponsh verwaltet Auszeichnungsdaten in vier Ebenen: Wettbewerb, Austragung, Auszeichnung und Preisträger.
Ein Preisträger-Eintrag ist dabei stets einem von drei Elementen zugeordnet: der Brauerei (Company), der Marke (Brand) oder dem konkreten Produkt (Product). So lässt sich nachvollziehen, ob eine Auszeichnung der Brauerei insgesamt oder einem bestimmten Produkt galt. Für einen Sake, der Sie interessiert, können Sie die Auszeichnungshistorie bis zum Namen der Auszeichnung, dem Verleihungsjahr und dem konkreten Gegenstand zurückverfolgen.
Eine Auszeichnung ist ein Ausgangspunkt – keine endgültige Antwort. Wer sie mit diesen drei Blickwinkeln liest, lässt sich von den Buchstaben "Goldmedaille" nicht blenden und findet die eigene, passende Flasche.
- Dieser Artikel richtet sich an Leserinnen und Leser im gesetzlichen Mindestalter für Alkoholkonsum (in Japan 20 Jahre). Bitte konsumieren Sie Alkohol verantwortungsbewusst. Verzichten Sie während Schwangerschaft und Stillzeit auf Alkohol, und trinken Sie niemals vor dem Fahren.